Montag, 13. April 2015

Aktuelle Diplomarbeit an der Schule am Meer - finanziell von MARUBIS e.V. unterstützt

Posidonia oceanica (Neptungras) in der nördlichen Kvarner Bucht – ihr Rückgang und mögliche Ursachen

Das Projekt widmet sich der ökologisch wohl wichtigsten Pflanze des Mittelmeeres.

Beginn: sofort, bitte um baldige Rückmeldungen unter office@mare-mundi.eu !
Kosten: Die Studie wird von MARUBIS e.V. unterstützt (Danke!). Somit reduzieren sich die Kosten für den Aufenthalt (Unterkunft, Reisekosten, Tauchen, Material).
Voraussetzung: Die ambitionierten Kandidaten (weiblich oder männlich) müssen ein hohes Maß an Begeisterung für das Thema, für die Meeresbiologie allgemein und für das Mittelmeer speziell mitbringen. Sie müssen weitgehend eigenständig arbeiten können (es befindet sich kein offizieller "Betreuer" vor Ort). Sprachkenntnis des Kroatischen ist keine Voraussetzung, aber vorteilhaft. Ebenso vorteilhaft wäre eine gewisse Taucherfahrung, je mehr desto besser. Talent und Erfahrung für wissenschaftliches Arbeiten und Recherchen sind von großer Wichtigkeit.
Form: angestrebt als Diplomarbeit (mare-mundi sucht die passenden Kandidaten, vermutlich mehrere). Möglich wäre auch eine Dissertation.
Dauer: vorläufig bis Ende 2015 oder Frühsommer 2016 (je nach dem wie schnell wir beginnen können)
Vorläufiges Ergebnis: soll im Frühjahr des Jahres 2016 in schriftlicher Form und medial veröffentlicht werden (Broschüre mit 20 bis 40 Seiten, auch als PDF).
Fortsetzung des Projekts: Es ist anzunehmen, dass im Rahmen der Studie Aspekte bekannt werden, die bedeutend sind und weiter verfolgt werden sollten. mare-mundi wird diesem wichtigen Thema weiterhin große Aufmerksamkeit schenken.

Posidonia oceanica ist ein Endemit des Mittelmeeres, der nicht im Atlantik vorkommt. Vermutlich handelt es sich um ein Tethys-Relikt, da die nächsten Verwandten aus der Gattung in Australien vorkommen. Die ökologische Bedeutung der Art für das mediterrane Ökosystem ist enorm und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden (vgl. Hofrichter, 2001). Ohne Übertreibung kann man behaupten, dass dieses an sich oligotrophe Mittelmeer ohne Posidonia nicht das wäre was es ist. Die dichten Seegraswiesen sind das ökologische Rückgrat des gesamten Ökosystems und die Grüne Lunge des Meeres.
Mit Sorge beobachten ältere Taucher und Biologen, die sich an den Zustand vor 50 Jahren erinnern können, dass sich Posidonia allmählich aus den nördlichsten Bereichen der Kvarner Bucht zurückzieht, ebenso wie das Phytal der Felsküsten, die Algen. Das bedeutet eine beträchtliche Degradierung des Ökosystems und Rückgang der Biodiversität – denn dichte Seegraswiesen bilden die Lebensgrundlage unzähliger Arten.

Das neueste Buch zur Flora von Istrien schreibt dazu (Rottensteiner, 2014, S. 38): “In den letzten Jahren haben starke Verschmutzung und Eutrophierung Flora und Vegetation stark verändert. Abzulesen sind diese Effekte an der floristischen Verarmung und dem Verschwinden ganzer Braunalgenbestände, beispielsweise von Cystoseira, Fucus und Sargassum.”

Ähnliche allgemeine Feststellungen findet man gelegentlich in der Literatur, doch fehlt speziell für die Kvarner Bucht eine sachliche Zusammenfassung der Vergangenheit im Vergleich zur Gegenwart, eine Kartierung der existierenden Grenzen und eine Ursachenforschung. Es gibt Publikationen zu Posidonia in der Adria, aber kaum solche über die Kvarner Bucht.

Die Studie soll daher folgende Punkte beinhalten:
 - Zusammenfassung aller historischer Quellen in sämtlichen Sprachen – wir möchten herausfinden, wo einst die natürlichen Grenzen der Posidonia waren. Aus diesen Daten wird auch erkennbar, ab wann die Menschen begannen die ökologische Bedeutung des Seegrases zu erfassen.
 - Entwicklung im 20. Jahrhundert: Wann begann sich die Vorkommensgrenze nach Süden zu verschieben und bestehen Korrelationen zum Ausbau der Ölindustrie bzw. der allgemeinen wirtschaftlichen Belastung?
 - Historische Analyse der Wasserqualität, Zusammenfassung aller zur Verfügung stehenden Mitteln, Erhebung der neuesten Daten zum Thema Wasserqualität (in Kooperation mit den kroatischen Behörden und Forschungsinstituten).
 - Kartierung der heutigen Vorkommensgrenze auf Krk und den umgebenden Inseln, in der gesamten Kvarner Bucht. In Kooperation mit Fischern, Tauchern, örtlichen Kennern. Eine aktuelle, gute Karte dieser Art gibt es nicht oder ist sie zumindest nicht öffentlich zugänglich und auffindbar.
 - Es werden auch die Größen der einzelnen Flächen angegeben und ihre Gefährdung nach einem festgelegten System eingeschätzt (etwa beliebte Buchten für Boote, Schäden durch Anker, Nähe zu Einleitungen, markante Erosionsränder, Trends, so gut sich diese ermitteln lassen.
 - Jahreszyklus des Posidonia-Wachstums unter den besonderen klimatischen Bedingungen der nördlichen Kvarner Bucht (Bora, niedrige winterliche Temperaturen).
 - Beurteilung des ökologischen Zustandes von 10 ausgesuchten repräsentativen Posidonia-Flächen rund um die Insel Krk: Länge der Blätter, Dichte pro Quadratmeter, Bewuchs, Fitness-Zustand, Vorhandensein typischer Begleitfauna (z. B. Goldstriemen). Auch die Stärke der Rhizomschicht soll ermittelt werden.
 - Fixierung von Proben für genetische Untersuchungen: Wahrscheinlich haben wir zwar nicht die Möglichkeit all die Forschungen umzusetzen, doch werden wir zumindest eine repräsentative Sammlung an genetischem Material für spätere Auswertungen und Kooperationsprojekte haben.
 - Am Rand, dennoch aber von großer Bedeutung: Im Rahmen des Projekts werden die ältesten noch lebenden Fischer der Kvarner Bucht (und eventuell andere Zeitzeugen, Biologen, Heimatkundler ...) interviewt, diese Gespräche wollen wir auf Video festhalten. Es steht ein Katalog von Fragen bereit, die gezielt auf die wesentlichen Punkte hindeuten (etwa Vorkommen und Rückgang von ökologischen Schlüsselarten wie Tunfischen, Haien ...). Es soll eine Informationsquelle erschlossen werden, die in Summe wissenschaftlich verwertbare Erkenntnisse liefert. Zusätzlich können wir dieses Material für die Aufklärung verwenden.

Eine breit angelegte Informations- und Aufklärungskampagne soll die örtliche Bevölkerung, die Besucher und Touristen und die breite Öffentlichkeit über die Wichtigkeit des Schutzes von Posidonia-Wiesen und ihre Bedrohung aufklären.

Es ist möglich, dass sich der Umfang der Studie als viel zu groß für einen Studenten erweist, daher werden wir zwei Diplomanden anstreben + Volontäre, die sie unterstützen.

Die Studie erfordert viel Scuba-Diving, den Einsatz von Booten und von mehreren Mitarbeitern und ist daher aufwendig.

Eine gewisse Erleichterung für diese Studie bietet das neueste Werk über das Mittelmeer “The Mediterranean Sea” (2014) von Gofredo, Stefano und Dubinsky, Zvy (HG.). Das Kapitel “Autochthonous Seagrasses” (S. 137 – 159) widmet sich unter anderem Posidonia. Die hier angeführte Literatur wird ein wichtiger Teil der Literaturarbeit zur Bestandsaufnahme von Posidonia sein.